Der Reisvater

Yuan Longping hat eine Mission. Seit Jahrzehnten forscht der Agrarwissenschaftler nach dem idealen Reis. „Vater des Hybridreises“ nennt man ihn in seiner chinesischen Heimat und er ist so etwas wie ein Popstar der Volksernährung. Der drahtige kleine Mann startete seine Karriere nach der großen Hungersnot der frühe 60er-Jahre, als die Agrarwirtschaft Chinas heruntergewirtschaftet war und das Millionen Menschen starben.

Professor Yuan Longping

Unterschiedliche Reissorten zu Hybriden zu kreuzen – mit dieser Formel steigerte Yuan Longping die Erträge auf acht Tonnen Reis pro Hektar Ackerland. Er züchtet Reissorten, die den unterschiedlichen Böden und Klimazonen angepasst sind – nicht nur in China. In seinem Institut in Changsha in der südchinesischen Provinz Hunan zeigt eine umfangreiche Fotogalerie das rastlose Schaffen des mittlerweile 88-jährigen. Yuan mit allen Parteigranden Chinas, Yuan mit dem König von Malaysia, Yuan mit der hpilippinischen Präsidentin, Yuan mit den Staatschefs von Laos, Sierra Leone und Mosambik und mit dem Chemie-Nobelpreisträger Johann Deisenhofer, einem Experten für Fotosynthese.

Im Gespräch zeigt sich Yuan Longping hellwach, interessiert und nach wie vor von missionarischem Eifer. Neun Tonnen pro Hektar nennt er als nächstes Ziel und betont die Bedeutung moderner Gentechnik für seine neuen Entwicklungen. Allerdings dürfe, so schränkt er ein, die Technologie nur für die Steigerung der Erträge eingesetzt werden. „Wir sollten skeptisch gegenüber einer Gentechnik gegen Krankheiten oder Schädlinge sein“, so Yuan, „denn die kann auch dem Menschen schaden.“

Kollege Michael Ritte und ich in Yuan Longpings Versuchsfeld

Sein Job hält ihn fit, versichert Yuan. Früher habe er gerne und viel Wasserball gespielt, heute geht er nach wie vor jeden Tag auf seine Versuchsfelder, die sich direkt vor der Haustür des Instituts erstrecken. „Mein Reis will mich jeden Tag sehen“, schmunzelt er.

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